Völkermord – bitte nicht stören!

das war mal mein allerallererster Blog-Post. Damals noch auf thatstrue.blog.de.

Und, was fällt mir dazu ein? in Darfur hat sich immernoch kaum etwas geändert.

Der Sudan ist wohl eines der ärmsten Länder Afrikas, wenn nicht sogar der gesamten Erde. Die Lage inmitten des Kontinents, agrarfeindliches Klima, die zunehmende Desertifikation und ein steigendes Bevölkerungswachstum verschlechtern die Lage der dort ansässigen Menschen zunehmend. Die Belastung durch diese Umweltprobleme ist ungeheuerlich. Doch die Lebensumstände der Einwohner werden zusätzlich durch die Regierung verschlechtert. Dies betrifft vorallem die Menschen in der Region Darfur.

Die dort ansässige Bevölkerung besteht hauptsächlich aus afrikanischstämmigen Personen die systematisch von Regierungstruppen und Söldnern gejagt werden.

Die Rede ist vom Darfur-Konflikt.

Die Medienpräsenz dieser Krise fällt auffallend gering aus, wenn man sie an der des Georgien-Konflikts, des Nahost-Krieges oder den andauernden Scharmützeln in Afganisthan misst. Und im Vergleich zur Darfur-Krise sind diese geradezu harmlos. In den letzten 5 Jahren kamen dort mindestens 400.00 Menschen zu Tode, 2,5 Millionen sind auf der Flucht und ca. 2.500 Dörfer und Städte wurden zerstört.

Und an allem soll die Regierung schuld sein? Warum hilft niemand? Wo ist die Weltpolizei USA? Was unternimmt die EU und die Afrkanische Union? Und wie reagiert der Hauptinvestor der Region, China?

Haupttäter der Darfur’schen Greueltaten sind die Dschandschawid, berittene und bewaffnete Milizen. Regelmäßig überfallen sie Dörfer in der Region. Und mit „regelmäßig“ meine ich „wenn es die Sudanesische Regierung befiehlt und den Weg durch Luftschläge geebnet hat“ und mit „überfallen“ meine ich leider angreifen, vergewaltigen, fesseln und lebendig verbrennen, Menschen hinter Pferden zu Tode schleifen, foltern, quälen, Dörfer restlos niederbrennen, die gesamten Einwohner ermorden und plündern. Besonders Letzteres ist in der Liste ein interessanter Punkt, da nach Aussagen von Dschandschawid-Anführern (welche freizügig Interviews geben, was Anhaltspunkt dafür ist, das sie keine Konsequenzen fürchten) dies der Lohn der Regierung für die Taten ist. Die Söldner werden also nicht direkt entlohnt sondern ihnen wird alles überlassen, was sie während ihren Raubzügen ergattern können. Das soll wohl eine zusätzliche Motivation sein und stellt das Ziel des Sudanesischen Präsidenten heraus: kein finanzielles oder territoriales, sondern das restlose Vernichten der afrikanischen Bevölkerung im Sudan. Ein Genozid. Völkermord. Denn die angegriffenen Dörfer haben eine ausschließlich afrikanische Bevölkerung. Die Dschandschawid jedoch sind durchweg arabischer Herkunft, die Regierung pro-arabisch eingestellt und die Reitermilizen machen keinen Hehl aus ihrer Anti-Schwarzafrikaner-Einstellung. So geschieht dies seit 2004. Die Regierung ordnet Luftschläge auf Dörfer und Städte an; während dem Luftschlag umzingelnd die Dschandschawid die Siedlungen und greifen direkt nach Ende des Fliegerangriffs an. Das oben erwähnte Grauen beginnt. Und erinner‘ dich: ca. 2.500 Dörfer wurden auf diese Weise attackiert.

Jetzt fragt man sich, warum niemand gegen solche Greuel vorgeht? In der UN wurde lange Zeit der Status des Völkermordes nicht anerkannt. Personen- und Handelssanktionen wurden aufgrund der Taten verhängt, jedoch nicht in ausreichendem Maße. Und China blockierte erfolgreich härtere Restriktionen gegen den Sudan, als wichtigen Handelspartner von Rohöl wollten sie das Land nicht verlieren. Die Afrikanische Union griff ebenfalls nicht in erwartetem Maße ein (Korruption!?). 2007, nachdem die USA (unter G.W. Bush) eine Überprüfung der Situation in Darfur durch die UN gefordert hatten, wurde dann eine Plan für eine Schutztruppe erstellt, in deren Rahmen 26.000 Soldaten für die Sicherheit der Bevölkerung in Darfur sorgen sollten. Doch die Mühlen der Bürokratie mahlen langsam und die ständigen erfolgreichen Behinderungen der Sudanesen haben erreicht, das bis heute nur ca. 9.000 Militärs in Darfur stationiert sind. Die Dschandschawid terrorisieren weiterhin die Bevölkerung, sie bedrohen und attackieren sogar Hilfsorganisationen, mit dem Ziel sie dazu zu bewegen, ihre Arbeit einzustellen bzw. „weniger zu helfen“. Für die Bevölkerung des westlichen Sudans jedoch, wird die Lage täglich schlimmer. Selbst der Gang zum Wasser holen oder Feuerholz sammeln wird zur lebensgefährlichen Aktion. Oft schicken die Männer ihre Frauen vor, da diese „nur“ vergewaltigt werden falls sie den Regierungs- oder Reitertruppen in die Hände fallen. Die Männer hätten in solchen Momenten ihr Leben verwirkt.
Erschreckend ist, das meine größte Sorge heute war, welches Shirt ich auf die Arbeit anziehen soll… was für Kleinigkeiten verglichen mit der Situation dort.
Hunger.
Terror.
Folter.
Vertreibung.
Angst.
Tod.
Viele werden sich jetzt fragen, warum sollen wir helfen? Was geht mich der Sudan an? Nun ja, eigentlich nichts. Und doch alles. Hier in Deutschland leben wir nach dem Solidaritätsprinzip. Die Stärkeren helfen den Schwächeren. Die Vermögenden den Ärmeren. Dieses Prinzip funktioniert und ist angemessen. Den Wohlhabenden geht es durch einen kleinen Beitrag kaum schlechter und den weniger gut Situierten wird durch kleine Spenden viel geholfen. Warum sollte dieses Prinzip nur national und nicht auch international gelten? Warum helfen die westlichen Staaten nicht in angemessenem Maße in Darfur (schließlich gibt es da auch Öl)? Die Möglichkeiten dafür stehen zur Verfügung. Genau diese Länder haben sich die Einhaltung der Menschenrechte in die Verfassung und auf die Fahnen geschrieben und proklamieren diese bei jeder Gelegenheit. An der Durchsetzung dieses Zieles hapert es jedoch.
Ich denke diese Frage sollte gestellt werden und auch in der Öffentlichkeit diskutiert werden. Und ich hoffe ich konnte dich ein bisschen zum Nachdenken anregen und für die Situation im Sudan sensibilisieren. Natürlich habe ich diesen Eintrag auch verfasst, um mein Gewissen mit dem Wissen zu beruhigen, etwas getan zu haben. Nicht viel, aber doch etwas. Und bekanntlich macht auch Kleinvieh Mist.
Falls du dich über den Darfur-Konflikt informieren möchtest… einfach mal googeln, auf www.savedarfur.org und www.eyesondarfur.org
klicken oder den Film „Die Todesreiter von Darfur“ anschauen.

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