Elysium – Traurige Zukunfts“vision“?

[Achtung, Mini-Spoiler]

In a galaxy far far away… Nein. Der Film spielt in der Zukunft. Die Erde ist mehr oder weniger unbewohnbar, die Menschheit hat das gecheckt und ist in ein ziemlich ansehnliches Weltraumbiotop geflüchtet. Jedenfalls die, die es sich leisten können. Alle anderen müssen auf der Erde bleiben und in dem „Drecksloch“ ihr Dasein fristen.

Zu Beginn des Filmes denkt man, dass die Menschen im Weltraumbiotop einfach aufgrund ihres Vermögens die Möglichkeit haben, dort mit frischer und sauberer Luft, grünen Bäumen und Friede, Freude, Eierkuchen zu leben. Die restliche Bevölkerung, also die ohne den Schotter, muss in Nach-Atomkriegszuständen in versandeten Städten leben und nur mit dem nötigsten zurecht kommen. Und vor allem für die Raumstationbewohner schuften.
Klingt logisch, stimmt aber nich: Den Erdenbewohnern ist es verboten, auf Elysium zu wohnen. Sie sind dort in einer Datenbank als Illegal eingestuft.

Neben dem superduperfancy torusförmigen Weltraumbiotop an sich und dem dort vorhandenen Essen, der frischen Luft und den menschenwürdigen Bedingungen existiert dort auch noch die ultimative medizinische Versorgung. Mit sogenannten MediBanks können dort alle Krankheiten innerhalb von Sekunden geheilt werden. Knochenbrüche, Leukämie, alles. Das gibt’s auf der Erde für den Rest bzw. die Illegalen natürlich nicht.

Jetzt dachte ich am Anfang: Hmm… so ungerecht! Und dann: Hmm… so unterschiedlich ist die Situation, verglichen mit der unseren, gar nicht. Auf der einen Seite die Raumstation mit toller medizinischer Versorgung und alles supi. Auf der anderen Seite Menschen, denen medizinische Versorgung und ein Leben in menschenwürdigen Bedingungen vorenthalten wird. Abartige Totalüberwachung mit Satelliten, Drohnen und Soldaten. Die Gesellschaft krass geteilt in Arme und Reiche. Und die, die weg schauen, die sich-besser-als-andere-fühlen-und-deswegen-den-Status-quo-beibehalten-wollen-Personen und die ja-ist-ja-alles-alternativlos-Menschen gibt’s hier wie dort. Bei uns sieht’s also ziemlich ähnlich wie in Elysium aus: Man denke da jetzt mal an Privatpatienten gegen Kassenpatienten, die Grenze zwischen Amerika und Mexiko, die Grenze zwischen der EU und Afrika, NSA-Überwachung, Vorratsdatenspeicherung, Drohnenangriffe in bzw. auf souveräne Ländern. Klingt bekannt.

Und dann habe ich nach Unterschieden gesucht. Und gesucht. Und gesucht. Klar, der Actionfilm aus Hollywood mit Matt Damon ist futuristisch, überzeichnet und dramatisiert (und zudem existiert dort ’ne fancy Weltraumbasis). Aber abstrahiert auf die Kernthemen sind wir nicht besser als die Bewohner des Weltraumbiotops:
Wir enthalten Menschen Medikamente vor, obwohl wir sie Ihnen geben könnten, lassen sich nicht in „unser“ Land, sondern zwingen sie in Gegenden zu leben, die praktisch keine Bevölkerungsgruppe ernähren kann. In denen sie verfolgt, gefoltert und getötet werden. Lassen sie für uns arbeiten. Weil wir fürchten, in Bedingungen zu verfallen, die etwas schlechter sind, als die jetzigen. Es könnte ja jemand was von meinem Stückchen Kuchen bekommen. Nein nein nein!

Letztlich hab ich keine grundlegenden Unterschiede gefunden. Und das ist schade. Faszinierend war, dass der Film irgendwie unterschwellig Grenzproblematiken (und nebenbei auch Umweltverschmutzung und Totalüberwachung und medizinische Nicht-Versorgung) anspricht, ohne sie direkt als Probleme unserer Gesellschaft anzusprechen. Schön verpackt in BangBangBoom-Liebes-Hollywoodgeschichte mit Happy End.

Und falls wir jemals ein Weltraumbiotop bauen werden, wird das ganze wohl so enden, wie in Elysium.

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