Mohamed El Baradei in #Dresden

Besser spät als nie hier eine kurze Zusammenfassung der Rede von Mohamed El Baradei, dem früheren Generaldirektor der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO), vom 18.3 in der Frauenkirche Dresden. Er fand im Rahmen der Reihe „Friedensnobelpreisträger in der Frauenkirche“ statt. Dass diese Veranstaltung überhaupt ist, drang ja doch erst sehr kurzfristig zu mir durch. Ein paar Stunden vor Beginn habe ich übers – aufgepasst – „Radio“ davon erfahren, fand es gut und habe mich dann abends auf den Weg gemacht.
Als ich ankam, traf ich quasi nur alte bzw. ältere Menschen an. 75% über 55. 15% zwischen 30 und 55. Der Rest war unter 30. Also doch ein recht altes Publikum. Vielleicht aber auch einfach üblich auf solchen Veranstaltungen. Ach ja: Der Eintritt war übrigens frei, die Frauenkirche voll.

Das Rahmenthema des Vortrages war: eine Welt ohne Nuklearwaffen – Illusion oder Auftrag an die junge Generation in dieser Welt.

Nach einer kurzen Einführung, unter anderem von Stanislav Tillich, begann dann El Baradei mit seiner Rede. Es war in eine Art 10 Punkte Plan mit Maßnahmen, was man machen kann bzw. was notwendig ist, um in einer friedlichen Welt bzw. in einer Welt ohne Atomwaffen zu leben. Die ersten fünf Punkte bezogen sich auf die Geisteshaltung der Gesellschaft. Es ist ein allgemeines Umdenken notwendig. Die zweiten fünf Punkte nannten konkrete Maßnahmen, die helfen, das Ziel einer friedlichen Welt zu erreichen. Und hier sind sie (kopiert aus dem Text der Rede):

  1. Wir müssen die Dualität der menschlichen Natur begreifen: gemeinsame Werte, unterschiedliche Perspektiven.
  2.  Wir müssen anerkennen, wie die Globalisierung die Wirklichkeit verändert hat.
  3. Wir müssen die Auswirkungen extrem ungleicher Verteilung des Wohlstandes begreifen.
  4. Wir müssen erkennen, dass wir menschlichem Leben unterschiedlichen Wert zusprechen.
  5. Wir müssen die menschliche Sicherheit neu definieren und weichen Machtfaktoren größere Bedeutung beimessen.
  6. Wir müssen unsere unzureichend funktionierenden internationalen Institutionen und Regierungsmechanismen reformieren.
  7. Wir müssen die Technologie in den Dienst von Entwicklung stellen.
  8. Wir müssen Atomwaffen abschaffen.
  9. Wir müssen die Wirtschaft in den Dienst der gesamten Menschheit stellen.
  10. Wir müssen uns selbst umschulen und vor allem die Jugend umschulen und ihnen die Kunst des Friedens beibringen.

Und hier kommen die Kernaussagen, die zu mir durchdrangen:

  • Ungleichheit und Ungerechtigkeit in Entwicklungs-/Schwellenländern reflektieren zurück auf die „westliche“ Welt.
  • Die „großen Probleme“ der Welt (Terror, Klima, Armut,…) sind supranational und können nur in diesem Rahmen gelöst werden.
  • Jedes Leben ist gleich und gleich viel Wert. Die Menschheit muss dies erkennen und verinnerlichen.
  • Diplomatie & Dialog sind essenziell in der Konfliktlösung.
  • Toleranz leben.
  • Soft Power stärker nutzen. Sie kann erheblich zur Konfliktlösung beitragen – eventuelle Konsequenzen dürfen nicht gefürchtet werden.
  • Reform der UN mit ihren Organisationen hin zu einer effizienteren und gerechteren Arbeitsweise und Struktur.
  • Früheres Eingreifen in potenziellen Konfliktregionen mit nicht-militärischen Mitteln, da spätes Eingreifen häufig mit militärischen Mitteln geschieht.
  • Gerechte Wohlstandsverteilung anstreben.
  • Wirtschaftliches Umorientieren von Investition in Rüstung hin zu humanitärer Entwicklung/Forschung.

Wenn man die Rede mit der Nobel-Preis-Rede vergleicht, wiederholt sich zwar einiges. Trotzdem kann man dem Ganzen quasi nur zustimmen. War schon ziemlich klug, emotional, bewegend und auch ziemlich logisch, was der Herr von sich gegeben hat. Jedoch auch überaus ambitioniert wenn nicht sogar utopisch.

Die 2 Stunden haben sich allemal gelohnt. Hoffentlich kann ich auch zu der nächsten Rede dort sein.

Quellen:
Zusammenfassung der Rede
Redetext: deutsch englisch

Syrien

Dank der Sächsischen Landeszentrale für Politische Bildung hatte ich das Vergnügen, das Buch „Syrien – Der schwierige Weg in die Freiheit“ lesen zu dürfen. Schon während der Lektüre kam die Idee zu diesem Blogeintrag. Mir stellte sich die Frage, wie und ob man als Otto-Normal-Dude die Situation überhaupt angemessen bewerten kann. Und mit „angemessen“ ist eine Bewertung gemeint, die vertretbar und vor allem nicht auf spärlichen Informationen beruht. Also quasi nicht all die Bewertungen, die auf herkömmlichen FAZ-Zeit-Welt-Artikeln beruhen. Denn die Texte des Buches sprechen so vielfältige Aspekte an. Wichtige Dinge. 99% davon hätte ich nicht mal ansatzweise bedacht. Dementsprechend habe ich sie ja auch noch berücksichtigt.

Cover "Syrien - Der schwierige Weg in die Freiheit"

Die Entwicklung der Protestbewegung, der Gesellschaft und auch des Assad-Regimes ist so langwierig und voller Ereignisse, dass es (zumindest mir) schwerfällt, die Situation zu bewerten. Das Assad-Regime, die Geschichte im 19. Jahrhundert, die vielen Oppositionsgruppierungen mit ihren zerstreuten und dezentralen Strukturen, unterschiedlichen Zielen, Motivationen, Mitteln und Persönlichkeiten machen es ja gar nicht mal so einfach, das Ganze zu bewerten und sich eine Meinung zu bilden.
Hier mal eine Liste mit Themen, die in dem Buch „behandelt“ werden:

  1. Kinder
  2. Wichtige politische Akteure
  3. Netzbewegungen
  4. Graswurzelbewegungen
  5. Frauen
  6. Kurden
  7. Bewaffnung
  8. Alawiten
  9. Muslimbruderschaft
  10. Christen
  11. Künstler
  12. Musik
  13. GONGO
  14. Syrische Außenpolitik
  15. Externe Faktoren und „ausländische Verschwörung“
  16. bisherige (und anhaltende) Repression
  17. Damaszener Frühling

Wie will man denn aus schnöden (westlichen) Zeitungsartikeln die über nur ca. 0.01% des Geschehens berichten und dabei von gefühlten 1000 Akteuren überhaupt nur die Situation von einem oder zweien nennen, Informationen ziehen, die es einem ermöglichen, auch nur einen einzigen klugen Satz außer „Keine Ahnung“ zu einem Thema zu sagen?

Für mich ist zwar klar, dass Assads Regime auf Terror, Oppression, Gewalt und Gleichschaltung basiert(e). So einfach allerdings diese Bewertung ist, so schwer ist die Bewertung der syrischen Opposition. Und damit wirds auch schwer, auch nur einen klaren und guten Satz zur Lage bzw. Entwicklung in Syrien zu sagen.

Mein Fazit: Wir sind ja alle ziemlich dumm und erlauben es uns, ziemlich vermeintlich kluge Dinge zu sagen, obwohl wir quasi nichts über die/eine Situation wissen, die wir bewerten zu versuchen. Gar nich mal so kluk.

Ach ja, zum Buch: superinformatives Ding mit 19 Texten von verschiedenen (wohl klugen) Menschen, die aus Syrien kommen oder sich sehr intensiv damit beschäftigt haben. Innerhalb von vier Tagen durchgeschmökert.

Russia, what r u doin? Russia! Staaph!

Da das Thema in aller Munde ist, jetzt hier auch von mir kurz ein paar Worte. Und zwar meine persönliche Meinung, wie das ganze in der Ukraine ablaufen wird:

  1. Russland nimmt sich die Krim (wieder).
  2. Spaltung der Ukraine.
  3. Alle sind empört.
  4. Alle rasseln ein paar Wochen mit den Säbeln.
  5. Alle arrangieren sich damit.

Warum ich so denke, ist eigentlich schnell erklärt. Das ist für mich die Alternative, bei der am wenigsten auf dem Spiel steht. Jedenfalls soweit ich das als Außenstehender beurteilen kann. Putin hat schon militärische Kräfte auf die Krim geschickt. Die wird er wohl nicht wieder, wie ein Hund dem auf die Schnauze geschlagen wurde, zurückziehen. Und offensichtlich wollen ja auch gar nicht mal so wenige Bewohner der Krim gerne zu Russland gehören. Die Ukraine scheint (zumindest diesbezüglich) ja sowieso schon gespalten. Die Krim hatte ja bereits den Status einer autonomen Republik, bei der der russische Teil der Bevölkerung gerne die Anbindung an Russland möchte. Die Bevölkerung kann sich also sogar damit arrangieren?

Dabei sind die Mittel der „westlichen“ Staaten sind ziemlich begrenzt. Seien es Wirtschaftssanktionen (haha), Krisengespräche oder total bockige Reaktionen a la „Ich komm nicht zu deinem Vorbereitungstreffen für den G-8-Gipfel“ oder „Ich fahre nicht zu den Paralympics in Sochi“ – das alles wird die russische Regierung aka Putin wohl überaus wenig interessieren. Und eine militärische Intervention will wohl tatsächlich niemand riskieren. Nato vs. Russland wird es (hoffentlich) nicht geben. Und das ist auch ziemlich gut so.

Der Ausgang klingt vielleicht dramatisch, aber gemessen an den Folgen für den Rest der Welt – und das sei explizit gesagt – ist er es wohl nicht. Wie es sich für direkt Betroffene anfühlt, will ich überhaupt nicht bewerten oder gar beschreiben. Wie auch. Auch eventuelle Folgen für einzelne Bevölkerungsgruppen wie zum Beispiel die Tataren der Krim kann ich gar nicht bewerten. Geschweige den von wirtschaftlichen Problemen der Ukraine ohne die Krim.

Es wäre aber ein ziemlich schlechtes Bild für die Zukunft hinsichtlich dessen, was sich Russland erlauben kann und was der Rest der Welt toleriert. Deswegen ist eine „Rückkehr“ zu einer geeinten Ukraine als Brücke zwischen und nicht als Spielball der EU und Russland quasi das Beste was passieren könnte. Darauf arbeiten die mächtigen Damen und Herren dieser Welt sicherlich auch hin. Aber sie könnten sich sicher auch mit einer (z.B. meiner) Alternative abfinden. Aber vielleicht übersehe ich mit meinen marginalen geopolitischen Kenntnissen auch was ganz Wichtiges?